Das Richtfest

Das Richtfest – wohl der Meilenstein schlechthin während der Bauphase. Rohbau und Dachstuhl sind fertiggestellt und der Prunkbau gibt damit schon Preis, welche Ausmaße und Proportionen das Traumdomnizil fortan der Umgebung beschert. Dass es damit noch lange nicht bewohnbar ist, sieht man ihm allerdings ebenfalls noch deutlich an. Dennoch ist es zweifelsohne ein willkommener Anlass zu feiern!!!

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Warum man es feiert, wen man dazu einlädt und was es dabei alles zu beachten gibt, wollten wir Euch im Folgenden mal etwas aufbereiten:


Warum feiert man Richtfest?

Dass sich das Richtfest bis heute noch als Brauchtum gehalten hat, ist erstaunlich und feierwürdig zugleich. Galt es doch bereits ab dem 14. Jahrhundert der Abgeltung der Arbeitsleitungen für die Gewerke, die am Bau beteiligt sind. Auch wenn eine noch so berauschende Fete den Gewerken heute wohl nicht mehr als Entgelt genügen würde, liegt der Sinn immernoch noch darin, sich in erster Linie bei den Handwerkern und Helferlein zu bedanken und zu diesem Anlass für deren Leibeswohl zu sorgen – sei es mit fester oder flüssiger Nahrung 😉


Muss ich ein Richtfest feiern?

Natürlich ist kein Bauherr verpflichtet, ein Richtfest auszurichten. Aber mal abgesehen davon, dass es Brauchtum und Anstand schon gebieten, kann ein Nicht-Stattfinden auch böse Folgen haben. Im harmlosesten Fall wird dann durch die Zimmerleute tradionell ein Besenstil mit im Dachstuhl verbaut, der den Geiz der Bauherren ausdrücken soll. Es soll aber auch schon Fälle gegeben haben, wo die Gewerke dann einen alten Fisch im Schornstein vermörtelt haben, mit dem man dann noch lange Freude in der Nase hat 😉


Mit wem feiert man Richtfest?

Da man das Feste ja wie gesagt für die Gewerke ausrichtet, lädt man diese natürlich auch dazu ein. ABER: Nur die Gewerke, die bei der Entstehung bis dato mitgewirkt haben – mit Vorschusslorbeeren bedanken ist also nicht 😉 Zu den dankeswürdigen Gewerken zählten bei uns daher die Maurer/Rohbauer, Gerüstbauer sowie selbstverständlich die Zimmerleute, die mit der Vollendung des Dachstuhls dann auch gleich das Richtfest einleiten. Man lädt außerdem auch diejenigen ein, die bei der Planung mitgewirkt haben, z.B. Bauplaner, Architekten und den Bauleiter.

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Das Richtfest ist aber auch ein schöner Anlass, mit der Familie, Verwandten und Freunden zusammen zu kommen und ihnen als stolze Bauherren das neu errichtete Gemäuer mal freudestrahlend vorzuführen.

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Last, but not least – die lieben Nachbarn. Das ist vermutlich die erste Gelegenheit, die Anwohner mal kennen zu lernen und vielleicht auch schonmal auf gute Nachbarschaft anzustoßen. Daher sollte man neben den Einladungen für die bekannten Leutchen keinesfalls vergessen, einen Wurfzettel in die benachbarten Briefkästen einzuwerfen.


Wann feiert man Richtfest?

Durch die eingangs erwähnte Formel Richtfest = Rohbau + Dachstuhl ist der Zeitpunkt der Feier ziemlich klar. Doch was viele vor dem Bau nicht erahnen, dass dieser besagte Zeitpunkt bereits 3-5 Wochen nach dem ersten Spatenstich ansteht. Heutzutage ist so ein Rohbau mit den wuchtigen Porenbeton-Steinchen einfach mal ratzifatz hochzogen. Selbst der Dachstuhl steht oft schon innerhalb eines Tages.

Wann genau der Tag des Richtfestes ansteht, erfährt man über die Bauzeitenplanung des Bauleiters. Durch viele Unwägbarkeiten lässt sich der Termin allerdings nicht ewig vorher bestimmen. Wir haben ca. 2 Wochen vorher den konkreten Termin unter Vorbehalt erhalten und erst eine halbe Woche vorher die Bestätigung mit konkreter Uhrzeit.

Die Uhrzeit ist übrigens oftmals garnicht so arbeitnehmerfreundlich. Das Hauptziel ist ja, dass die Gewerke mitfeiern können und das möchten sie schließlich während der normalen Arbeitszeit. Somit ist es nicht unüblich, dass der Zimmermann seine Rede bereits um 16 Uhr hält. Dass zu dieser Zeit noch nicht alle Gäste dabei sein können, liegt einfach in der Natur der Sache.

Bei uns ging das Richtfest erfreulicherweise erst um 18 Uhr los, so dass nahezu alle Gäste dann bereits an Bord waren.


Wie ist der Ablauf eines Richtfestes?

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Auftakt für das Richtfest ist eine feierliche Rede der Zimmerleute, bei der diese durchaus eine alkoholische Substanz (in der Regel Schnaps oder Sekt) in einem entbehrlichen (!!) Glas in der Hand halten möchten. Dieses wird nach Abschluss der Rede nämlich am Rohbau feierlich zum zerbersten gebracht. Das ist auch gut so – denn wenn das Glas nicht zerspringt, bringt es Unglück über das Haus … und das wollen wir doch nicht 😉 Unsere beiden Sektgläser aus der Serie „Ich bin so billig, zerschlag mich!“ lagen anschließend im Obergeschoss verstreut – also alles wird gut!

Ist dieses Ritual beendet, kommen die Bauherren nicht umhin, selber Hand anzulegen. Ihnen obliegt es nämlich, den letzten Nagel in das Dachgebälk zu schlagen – und dieser hat es in Punkto Länge und Stärke durchaus in sich. Fairerweise darf die Bauherrin einen deutlich kleineren Nagel einschlagen als ihr leidgeplagter Gemahl.

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Wichtiger Tipp: Hat man als Bauherr die Zimmerleute vor dem Ritual nicht mit mindestens einem Bier grundversorgt, machen sie einem dieses Unterfangen umso schwerer. Sie lassen einen dann z.B. einen abgesägten Nagel ins Holz treiben – das möchtet Ihr nicht!

Haben die Bauherren das hinter sich gebracht, empfiehlt sich noch eine kleine Dankesrede an das Publikum und dann endlich die langersehnte Eröffnung des Buffets.

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Was gibt’s zu Essen?

Die wohl wichtigste Frage jeden feierlichen Anlasses stellt sich auch hier – was gibt’s zu Essen? Das Kredo beim Richtfest ist, es so einfach wie möglich zu halten. Wohl niemand hat im Rohbau eine funktionierende Küche und es erwartet somit auch keiner ein 3-Gänge-Menü von den Bauherren. Es wird also einfach rustikal der Grill angeworfen – Kammfleisch und Würstchen drauf, dazu Brote, Salat und vielleicht etwas Kuchen für den süßen Zahn – und damit ist in fester Form auch schon alles im Lot. Was Getränke angeht, sollte man neben Softdrinks durchaus nicht mit Spirituosen wie Bier und 1-2 Sorten Likör geizen. Speziell bei den Gewerken legen zumindest diejenigen, die nicht zum Fahren verdonnert sind, durchaus gesunden Durst an den Tag – was ihnen zu diesem Anlass aber auch gegönnt sei!

Kleiner Tipp: Einige Supermärkte verkaufen die Getränke auf Kommission, so dass man nicht aufgebrauchte Getränkekisten problemlos wieder gegen Bares tauschen kann – also lieber 1-2 Kisten mehr besorgen 😉

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Kleines kulinarisches Highlight auf unserem Richtfest war übrigens ein „Mutzenbraten“ (s. Abbildung) nach Familienrezept, kredenzt über offenem Feuer des selbstgebauten Mutzen-Drehspieß-Grills vom Vater der Bauherrin. Das kam bei allen Beteiligten prima an.


Muss beim Richtfest etwas geschenkt werden?

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Kurzum: Jein! 

Die Gewerke schenken den Bauherren natürlich nichts, weil das Fest ja das Geschenk an die Gewerke selbst ist. Auch bei den anderen Gästen verhält es sich durchaus so, dass sich niemand in Unkosten stürzen sollte. Oftmals sind es kleine nützliche, symbolische Geschenke, wie Schippe, Harke oder der Setzling eines schattenspendenden Bäumchens, die den Bauherren ausdrücken soll „Sowas braucht Ihr ab jetzt!“. In der Praxis kannte jedoch die Großzügigkeit viele unserer Gäste kaum Grenzen. So enthält der oben abgebildete Gabentisch halt auch Sachen wie Bau- und Pflanzenmarkt-Gutscheine, Bargeld oder auch einen schönen Restaurant-Gutschein.

Wir danken auf jeden Fall allen Gästen ganz herzlich dafür!


Was ist mit der Richtkrone?

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Die symbolträchtige Richtkrone ziert die Giebelspitze und wird nach Abschluss der Zimmerarbeiten eben dort befestigt. Besorgen müssen Richtkrone (oder alternativ Richtkranz) allerdings die Bauherren. Der Florist des Vertrauens fertigt diese gegen Eintausch von 80-130 Euro auch gern für Euch an. Die günstigere Alternative ist – ähnlich wie bei Brautkleidern – das Ausleihen des Richtkranzes für ca. 1/4 des Neupreises. Wir haben uns für letzteres entschieden, weil das gute Stück nach wenigen Tagen denn doch nur im Brennholzstapel landen würde.


Wie muss man sich kleiden?

Beim Richtfest ist für (fast) alle Beteiligten zivile und robuste Kleidung angesagt. Jeder turnt im staubigen Rohbau herum – die Bauherren müssen sogar auf dem Gerüst herumkrabbeln. Lediglich die Zimmerleute kommen in traditionaler Arbeitskluft – das gehört auch einfach zum Ritual.


Das Wachsstift-Ritual

Abschließend noch ein kleines, spaßiges Gimmick, das man als Bauherr vorbereiten kann. Man besorge handelsübliche Wachsmalstifte und bitte seine Gäste bei der Hausbegehung, doch anschließend an den Rohbauwänden Grüße, Sprüche oder Bilder zu hinterlassen. Auch wenn diese recht bald hinter Putz verschwinden, so sind sie doch dauerhaft auf dem Mauerwerk verewigt.

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